Explorative Studie des Fraunhofer Instituts

Seit Jahrzehnten wird die Bedeutung der Flexibilisierung der Arbeit als Instrument zur Effizienzerhöhung kontrovers diskutiert. Das Thema hat mit der rasant zunehmenden Geschwindigkeit der Datenübertragung eine neue Facette bekommen: Mit den Möglichkeiten der Digitalisierung wird die Flexibilisierung der Arbeit noch leichter möglich und es entstehen neue interne und externe Arbeitsmärkte, auf denen Arbeitsleistung, mehr oder weniger gebunden, gehandelt wird. Beobachtbar sind vielfältige Veränderungen der Organisation von Arbeit:

 

In manchen Unternehmen und Branchen zeichnet sich „arbeiten, wo immer man ist“ als ein neues Regelmodell ab. Im Gegensatz dazu hat die ehemalige Google-Managerin Marissa Mayer in ihrer neuen Führungsverantwortung bei Yahoo dort das Homeoffice-Programm eingestellt. Beobachtbar ist auch, dass neue Arbeitsverträge zunehmend befristet sind. Es ist also zu erwarten, dass die vermittelnde Funktion von Arbeitsmärkten beziehungsweise neuartige Dienstleistungen zur Zusammenführung von Angebot und Nachfrage eher häufiger in Anspruch genommen werden. Neue Arbeitsorganisationskonzepte mancher Unternehmen sehen vor, dass Arbeitskräfte sich innerhalb des eigenen Unternehmens nach dem Abarbeiten eines Projektes frei um die Mitarbeit in weiteren Projekten bewerben müssen, anstatt unbefristet eingestellt zu sein. Andere Unternehmen versuchen, im Rahmen von unbefristeter Vollzeitbeschäftigung variantenreiche Optionen der flexiblen Gestaltung zu realisieren. Immer mehr Unternehmen bieten also einer legitimierten Gruppe von Arbeitskräften einen begrenzten, selbst gestalteten Arbeitsmarkt an, um ihr Flexibilitätspotenzial weiter zu erhöhen.

 

Es werden offensichtlich gegenwärtig sehr unterschiedliche und einander scheinbar widersprechende Arbeitskonzepte realisiert. Sie werden den sich schnell entwickelnden aktuellen Umfeldbedingungen angepasst, und es werden weiterhin neue Konzepte entworfen, ohne dass die Effekte der bereits umgesetzten Arbeitskonzepte in ihrer ganzen Breite erkennbar sind. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Adecco Stiftung eine Studie beim Fraunhofer-Institut in Auftrag gegeben hat, die folgende Fragestellungen mittels qualitativer Interviews beleuchten soll:

 

Wohin entwickeln sich die Arbeit und die internen und externen Märkte, auf denen diese Arbeit gehandelt wird? Was bestimmt die Entscheidungen der Unternehmensleitungen für bestimmte Arbeitskonzepte? Gibt es systematische Entscheidungsprozesse für die Auswahl eines Arbeitskonzepts? Werden begründete Kriterien verwendet? Gibt es „one-best-way“ zu einem passenden Arbeitsmodell in einem bestimmten Unternehmen oder Unternehmensbereich? Wie wirken sich die verschiedenen Arbeitsmodelle auf die Menschen aus? Gibt es regionale Unterschiede in der Akzeptanz von Arbeitsmodellen bei den Menschen? Welche Dynamiken gibt es in der Bewertung der Arbeitskonzepte durch die Arbeitenden? Welche bestehenden sozialen Regeln und Gesetze haben welche Konsequenzen für die Realisierung neuer Arbeitskonzepte? Was ist zugelassen und was wird tabuisiert?

 

Die Ergebnisse der explorativen Studie wurden im Dezember 2014 veröffentlicht und sind im Bereich Publikationen zu finden.